Digital Markets Act (DMA)

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2026

Autor: Patrick Gundlach

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Der Digital Markets Act ist ein EU-Gesetz, das große digitale Plattformen reguliert. Ziel ist es, faire Wettbewerbsbedingungen im digitalen Markt zu schaffen und die Marktmacht einzelner Anbieter zu begrenzen. Im Fokus stehen sogenannte Gatekeeper, also Plattformen, die als zentrale Schnittstelle zwischen Unternehmen und Nutzern agieren.

Für Marketing, Tracking und Datenverarbeitung ist der DMA kein Randthema, sondern greift direkt in bestehende Strukturen ein. Vor allem dort, wo Plattformen Daten kontrollieren, eigene Dienste bevorzugen oder den Zugang zu Nutzerdaten einschränken, entstehen neue Rahmenbedingungen.

Einordnung: Warum der Digital Markets Act entstanden ist

Der digitale Markt hat sich in den letzten Jahren stark konzentriert. Wenige Plattformen kontrollieren große Teile der Nutzerinteraktion, Werbeausspielung und Datenströme. Genau hier setzt die DMA EU Regulierung an.

Die EU verfolgt drei zentrale Ziele:

  • Wettbewerb stärken und Markteintritt erleichtern
  • Abhängigkeiten von großen Plattformen reduzieren
  • Transparenz und Fairness im Umgang mit Daten schaffen

Für Unternehmen im Bereich Tracking, Ads und Affiliate bedeutet das vor allem eines: weniger Blackbox, mehr Kontrolle über Datenflüsse.

Was sind Gatekeeper im Sinne des DMA

Gatekeeper sind große Plattformen, die eine zentrale Rolle im digitalen Ökosystem spielen. Sie fungieren als Vermittler zwischen Unternehmen und Endnutzern und kontrollieren häufig den Zugang zu Daten, Reichweite und Werbeinventar.

Typische Merkmale:

  • Sehr hohe Nutzerzahlen innerhalb der EU
  • Starke Marktstellung über mehrere Jahre
  • Plattformfunktion mit Vermittlerrolle
  • Kontrolle über wichtige Datenpunkte

Für das Online-Marketing ist entscheidend: Gatekeeper bestimmen oft, welche Daten verfügbar sind und wie Tracking funktioniert.

Auswirkungen auf Tracking, Ads und Datenverarbeitung

Der Digital Markets Act hat konkrete Auswirkungen auf technische Setups und Datenstrategien.

1. Einschränkung von Datenmonopolen

Plattformen dürfen Daten nicht mehr beliebig zwischen eigenen Services kombinieren. Das betrifft vor allem:

  • Cross-Plattform Tracking
  • Nutzerprofile
  • Werbeaussteuerung

2. Mehr Transparenz bei Datenzugriff

Unternehmen erhalten besseren Zugang zu Daten, die sie selbst generieren. Das ist besonders relevant für:

3. Einfluss auf Consent und Tracking-Strukturen

Der DMA ergänzt bestehende Regelwerke wie die DSGVO und technische Frameworks wie Consent Mode V2.

Wichtig:
Während die DSGVO den Datenschutz regelt, sorgt der DMA für faire Marktbedingungen. Beide greifen ineinander, haben aber unterschiedliche Ziele.

Technische Einordnung

Der DMA wirkt nicht direkt auf Code-Ebene, sondern verändert die Spielregeln, nach denen Plattformen arbeiten müssen.

Typische technische Auswirkungen:

  • APIs werden zugänglicher oder transparenter
  • Datenexporte werden erweitert
  • Einschränkungen bei proprietären Tracking-Systemen
  • stärkere Trennung von Datensilos

Für Tracking-Setups bedeutet das:

  • Server-Side Tracking wird wichtiger
  • eigene Datenhaltung gewinnt an Bedeutung
  • Abhängigkeiten von Plattformdaten müssen reduziert werden

Typische Missverständnisse

„Der DMA ersetzt die DSGVO.“
Nein. Der DMA regelt Wettbewerb, nicht Datenschutz.

„Der DMA betrifft nur große Plattformen.“
Formal ja. Praktisch betrifft er alle, die mit diesen Plattformen arbeiten.

„Tracking wird durch den DMA einfacher.“
Nicht unbedingt. Es wird transparenter, aber auch komplexer in der Umsetzung.

Praxis Case 1: Abhängigkeit von Plattformdaten reduzieren

1. Situation
Ein Online-Shop nutzt stark eine große Plattform für Ads und verlässt sich auf deren Conversion-Daten.

2. Problem
Durch neue DMA-Regeln werden weniger kombinierte Nutzerdaten bereitgestellt. Die Kampagnenperformance wirkt plötzlich schlechter messbar.

3. Lösung
Aufbau einer eigenen Tracking-Infrastruktur mit Fokus auf First-Party-Daten.

4. Technische Umsetzung

  • Server-Side GTM Setup
  • Speicherung von Click-IDs im eigenen System
  • Aufbau eines eigenen Attributionsmodells
  • Verknüpfung mit CRM-Daten

5. Ergebnis und Nutzen

  • Unabhängigkeit von Plattformdaten
  • stabilere Attribution
  • bessere Entscheidungsgrundlage für Kampagnen

Praxis Case 2: Transparenz in der Datenverarbeitung erhöhen

1. Situation
Ein Affiliate-Netzwerk arbeitet mit mehreren Plattformen und hat eingeschränkten Zugriff auf Nutzerdaten.

2. Problem
Durch DMA-Vorgaben müssen Plattformen mehr Daten zugänglich machen, gleichzeitig steigen die Anforderungen an saubere Datenverarbeitung.

3. Lösung
Neuaufbau der Datenpipeline mit klarer Trennung und Validierung der Datenquellen.

4. Technische Umsetzung

  • Aufbau eines zentralen Data Warehouses
  • Nutzung von APIs der Plattformen
  • Normalisierung von Event-Daten
  • Einbindung von Consent-Signalen

5. Ergebnis und Nutzen

  • bessere Datenqualität
  • nachvollziehbare Conversion-Pfade
  • höhere Transparenz gegenüber Partnern

Rechtliche Einordnung

Der Digital Markets Act ist Teil der europäischen Plattformregulierung. Er ergänzt bestehende Gesetze, greift aber nicht direkt in die Einwilligungspflichten ein.

Wichtige Punkte:

  • keine direkte Cookie-Regelung
  • keine Ersatzfunktion zur DSGVO
  • Fokus auf Wettbewerb und Plattformverhalten

Für Unternehmen bedeutet das:

  • rechtliche Bewertung bleibt notwendig
  • technische Umsetzung muss angepasst werden
  • Schnittstellen zu Consent und Tracking müssen sauber bleiben

Fazit

Der Digital Markets Act verändert nicht direkt das Tracking, aber die Rahmenbedingungen, unter denen es stattfindet. Wer heute noch stark von Plattformdaten abhängig ist, wird mittelfristig Probleme bekommen.

Die klare Richtung ist:

  • mehr eigene Daten
  • weniger Abhängigkeit
  • sauber strukturierte Tracking-Systeme

Wer das früh umsetzt, hat einen echten Vorteil.

FAQ zum Digital Markets Act

Was ist der Digital Markets Act einfach erklärt?
Ein EU-Gesetz, das große Plattformen reguliert, um fairen Wettbewerb im digitalen Markt sicherzustellen.

Wer ist vom Digital Markets Act betroffen?
Direkt große Plattformen, indirekt alle Unternehmen, die diese für Marketing, Tracking oder Daten nutzen.

Was sind Gatekeeper im Sinne des DMA?
Große Plattformen mit zentraler Vermittlerrolle und starker Kontrolle über Daten und Nutzerzugänge.

Welche Strafen drohen bei Verstoß gegen den DMA?
Hohe Geldstrafen auf EU-Ebene, die sich am weltweiten Umsatz orientieren können.

Was ist der Unterschied zwischen DMA und DSGVO?
Die DSGVO regelt Datenschutz und Einwilligungen. Der DMA regelt Wettbewerb und Plattformverhalten.