Merchant – Der Händler im Affiliate-Marketing
Ein Merchant (deutsch: Händler oder Verkäufer) ist eine zentrale Rolle im Affiliate-Marketing. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen oder eine Person, die Produkte oder Dienstleistungen über eine Website, einen Onlineshop oder eine Plattform verkauft. Merchants nutzen Affiliate-Marketing, um ihre Reichweite zu vergrößern und den Absatz zu steigern, indem sie mit Partnern (sogenannten Affiliates) zusammenarbeiten. Affiliates bewerben die Produkte oder Dienstleistungen des Merchants und erhalten dafür eine Provision, sobald eine definierte Aktion – wie ein Verkauf oder ein Lead – erfolgreich abgeschlossen wird.
Technische Beschreibung: Wie funktioniert das Tracking eines Merchants?
Das Tracking ist eine der wichtigsten Komponenten im Affiliate-Marketing, da es sicherstellt, dass Verkäufe, Klicks oder Leads dem richtigen Affiliate zugeordnet werden. Technisch gesehen erfolgt das Tracking durch sogenannte Tracking-Parameter und Cookies, die bei einem Klick auf den Affiliate-Link gesetzt werden.
Tracking-Methoden
- Cookie-basiertes Tracking
Wenn ein Nutzer auf einen Affiliate-Link klickt, wird ein Cookie im Browser des Nutzers gespeichert. Dieser Cookie enthält eine eindeutige ID, die den Affiliate identifiziert. Beim Kauf im Shop des Merchants prüft das Tracking-System, ob ein passender Cookie vorhanden ist, und weist die Provision entsprechend zu. - Session-Tracking
Hier wird die Affiliate-ID in der URL als GET-Parameter übergeben. Dieser Parameter bleibt während der gesamten Browsersitzung erhalten. Auch ohne Cookies kann so die Herkunft des Kunden nachverfolgt werden. Diese Methode wird oft in datenschutzkritischen Umfeldern verwendet.
Beispiel:https://www.shop.de/produkt?utm_source=affiliate&utm_medium=partner&utm_campaign=partner123 - Server-Side-Tracking
Im Gegensatz zu Cookie-basiertem Tracking wird beim serverseitigen Tracking die Interaktion direkt auf den Servern des Merchants protokolliert. Dies geschieht, indem Affiliate-Informationen beim Kauf an den Server übergeben und dort gespeichert werden. Server-Side-Tracking hat den Vorteil, dass es cookie-unabhängig ist und in Umgebungen mit strengen Datenschutzvorgaben (DSGVO) sicherer eingesetzt werden kann. - Fingerprint-Tracking
Hierbei werden Browser-Metadaten (z. B. User-Agent, Bildschirmauflösung, Zeitzone) genutzt, um den Nutzer zu identifizieren. Diese Methode funktioniert auch ohne Cookies, ist jedoch datenschutzrechtlich umstritten.
Zentrale technische Komponenten im Merchant-Tracking
- Tracking-Pixel: Unsichtbare Bilddatei (1×1 Pixel), die beim Laden des Kaufbestätigungs-Seite (Thank-You-Page) aktiviert wird, um den Kauf zu tracken.
- Postback-URL: URL, die der Merchant aufruft, wenn eine Conversion erfolgt. Sie übergibt die Informationen an das Affiliate-Netzwerk oder an den Affiliate.
- Affiliate-ID: Eine eindeutige ID, die den Affiliate identifiziert. Sie wird als Parameter (z. B.
?affid=12345) an die URL angehängt. - Conversion-ID: Eine ID, die den Verkauf identifiziert. Diese wird mit den Transaktionsdaten an den Server des Merchants gesendet.
Case 1: Cookie-basiertes Tracking im Onlineshop
Ein Onlineshop für Fitnessgeräte arbeitet mit einem Affiliate-Netzwerk zusammen. Affiliates bewerben die Produkte des Shops auf Fitness-Blogs und sozialen Netzwerken.
Ablauf:
- Ein Kunde klickt auf einen Affiliate-Link mit der URL:
https://www.fitness-shop.de/hantelbank?affid=AFFILIATE123 - Beim Klick wird ein Cookie im Browser des Kunden gesetzt. Dieser Cookie speichert die Affiliate-ID (AFFILIATE123).
- Der Kunde stöbert im Shop, legt eine Hantelbank in den Warenkorb und kauft diese nach 2 Stunden.
- Beim Kaufabschluss greift das Tracking-System auf den Cookie zu, erkennt die Affiliate-ID und übergibt die Information an das Affiliate-Netzwerk.
- Das Netzwerk erstellt einen Eintrag mit der Zuordnung:
- Affiliate: AFFILIATE123
- Verkauf: Hantelbank für 199,99 €
- Provision: 10 % (19,99 €)
Technische Herausforderung:
Wenn der Kunde Cookies deaktiviert hat, kann die Affiliate-ID nicht gespeichert werden. Hier hilft der Einsatz von serverseitigem Tracking oder der Umstieg auf parameterbasiertes Tracking.
Lösung:
Um Datenschutzrichtlinien (wie DSGVO) einzuhalten, sollte der Merchant ein Consent-Management-Tool (CMP) nutzen, das dem Kunden die Möglichkeit gibt, das Tracking zu erlauben oder abzulehnen.
Case 2: Server-Side-Tracking mit Postback-URL
Ein internationaler Reiseanbieter betreibt eine Plattform, auf der Kunden Flüge und Hotels buchen können. Die Plattform nutzt serverseitiges Tracking anstelle von Cookies.
Ablauf:
- Der Kunde besucht eine Reise-Blog-Seite, die für den Reiseanbieter wirbt.
- Der Affiliate-Link führt den Kunden auf die Website des Anbieters:
https://www.reiseanbieter.de/angebote?affid=TRAVEL2024 - Die Affiliate-ID (TRAVEL2024) wird auf dem Server des Merchants gespeichert, anstatt als Cookie im Browser des Kunden.
- Der Kunde durchläuft den Buchungsprozess und wählt ein Hotel auf den Malediven. Beim Abschluss der Buchung sendet der Server des Merchants die Conversion-Daten an das Affiliate-Netzwerk. Postback-URL:
https://affiliate-netzwerk.de/track?affiliate=TRAVEL2024&conversion_id=987654&revenue=3500 - Das Affiliate-Netzwerk erhält die Affiliate-ID, die Buchungsnummer (conversion_id) und den Buchungswert (revenue). Der Affiliate bekommt eine Provision.
Technische Herausforderung:
Bei serverseitigem Tracking ist die Sicherheit besonders wichtig. Dritte könnten versuchen, fiktive Postback-URLs zu generieren, um Provisionen zu fälschen.
Lösung:
- API-Authentifizierung: Die URL enthält einen API-Key, der nur autorisierte Anfragen erlaubt.
- Hashing: Vor dem Senden der Postback-URL wird ein Hash-Wert berechnet, der sicherstellt, dass die Daten nicht manipuliert werden.
Vor- und Nachteile von Tracking-Methoden für den Merchant
| Tracking-Methode | Vorteile | Nachteile |
|---|
| Cookie-Tracking | Einfach zu implementieren | DSGVO-Probleme, Cookie-Banner notwendig |
| Session-Tracking | Kein Cookie erforderlich | Abbruch bei Sitzungsende |
| Server-Side-Tracking | Datenschutzfreundlich | Komplexe Implementierung |
| Fingerprint-Tracking | Kein Cookie erforderlich | Datenschutzrechtlich riskant |
Fazit
Ein Merchant spielt eine Schlüsselrolle im Affiliate-Marketing, indem er die Tracking-Logik bestimmt und sicherstellt, dass Verkäufe und Leads den richtigen Affiliates zugeordnet werden. Technisch gesehen muss ein Merchant sicherstellen, dass die Tracking-Systeme datenschutzkonform arbeiten. Die cookiebasierte Methode ist am weitesten verbreitet, wird aber zunehmend durch serverseitiges Tracking ersetzt, das datenschutzfreundlicher ist. Merchants müssen auf sichere APIs, Hashing und Postback-URLs setzen, um den Anforderungen der DSGVO und den Erwartungen der Affiliates gerecht zu werden.
Durch den Einsatz von Consent-Management-Tools (CMP) und die Nutzung von Server-Side-Tracking kann der Merchant sicherstellen, dass auch in einer cookie-losen Zukunft die Affiliate-Zuordnung reibungslos funktioniert.